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„Parfümflakons – eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert“ Eine Neukonzeption mit weihnachtlichem Flair!

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KLEINTETTAU – Die Dauer-Ausstellung „Parfümflakons – im Zeitraffer durch das 20. Jahrhun-dert“ mit bedeutenden Werken aus der renommierten Sammlung von Beatrice Frankl ist eines der vielen Highlights im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau. Weiterlesen…

Die Grenze um Tettau

Willi Kaufmann präsentiert im Europäischen Flakonglasmuseum die Ausstellung „Bewacher der Grenze“

In einer Sonderausstellung erinnern die „Glasbewahrer“ im Kleintettauer Flakonglasmuseum an ein unseliges Stück der deutsch-deutschen Geschichte. Bis voraussichtlich August präsentiert der Tettauer Willi Kaufmann seine bedrückende Dokumentation „Bewacher der Grenze“, die von Ute Schaller konzipiert wurde. Schließlich erlebte der Landkreis Kronach, nach 1945 von einem 102 Kilometer langen Stacheldrahtzaun regelrecht eingeschnürt, das  Nachkriegsdrama in besonderer Weise. Immer wieder war es zu schlimmen Szenen an der Demarkationslinie bei unterschiedlichsten Fluchtversuchen gekommen. Die gesamtdeutsche Bilanz ist

erschreckend. Viele hundert Menschen wurden entlang der 1400 Kilometer langen Grenze bei  Fluchtversuchen getötet. Die Grenzbefestigungen wurden durch die DDR im Laufe der Zeit immer weiter und effizienter ausgebaut. Minenfelder, Hundelauf-Anlagen, Schießbefehle und Selbstschussanlagen erschwerten ganz erheblich die Flucht in den Westen.

Jahrzehnte hatte der mittlerweile 90-jährige Willi Kaufmann die innerdeutsche Grenze direkt vor Augen. Seine Ausstellung, so der Initiator, solle mit dazu beitragen, dass die Zeit der Teilung Deutschlands nicht vergessen wird. Der Tettauer zeigt in seinen 150 Bildern

und Dokumenten sowie Zeitungen den Einsatz von Bayerischer Grenzpolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und amerikanischer Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1990. Er selbst stand nach dem Zweiten Weltkrieg zwölf Jahre als Grenzpolizist und später als Landpolizist an der Grenze bei Tettau, war dann 20 Jahre bei der Passkontrolle in Ludwigsstadt beschäftigt.

„Das war eine Schicksal trächtige Zeit, in der ich den ganzen Wahnsinn mit erlebt habe.“ Jede Menge Geschichten könne er erzählen – von Menschen und deren Schicksalen, die mit der Teilung Deutschlands verbunden sind. Waren die Anfangsjahre nach der Teilung des Landes in Grenznähe noch von eher menschlichen Geschichten geprägt, so änderte sich das mit Stacheldraht und Minenfeldern nach 1960 dramatisch. „Die Russen“, erinnerte sich Kaufmann, „waren noch Ende der 40er-Jahre regelmäßig auf den Wildberg bei Tettau zum Kegeln gekommen. Hier trafen sich auch die Menschen beider deutscher Staaten, wenn es am Freitag nach der Arbeit Lohn gab und gemeinsam gefeiert wurde.“ Fast 60 Leute aus der DDR hatten damals in Tettau und Umgebung gearbeitet und waren jeden Tag über die Grenze gekommen. Bei Tettau, sagte Kaufmann, habe es viele Flüchtlinge geben, weil hier die Gegend waldreich ist und die Grenze schwer einsehbar war.
Zwischen Heinersdorf und Probstzella waren am Eisernen Vorhang 17 Menschen bei Grenzübertritten erschossen worden. „Mit Skiern kamen die DDR-Leute oftmals bei Nacht

und kletterten über den Grenzzaun.“ Als Willi Kaufmann bei der Passkontrolle war, hatten die Beamten auch einmal vier Menschen auf einem Gepäckwagen, verpackt in Kartons, entdeckt.
Für die Ausstellung hat der Tettauer aussagestarkes Material  zusammengetragen. Die Fotos zeugen unter anderem von Sicherungsmaßnahmen an der deutsch-deutschen Grenze und von den Besuchen prominenter Politiker. Willi Kaufmann hofft, dass möglichst viele Menschen sich mit  dieser Thematik befassen.

Sparkassen-Repräsentant Peter Ebertsch – von 1978 bis 1991 beim Zoll – ist beim Anblick der Bilder besonders berührt, denn sie erinnern an den kaum mehr nachvollziehbaren Wahnsinn. „Das war manchmal wie ein Alptraum.“ Als eine tolle Sache empfinden die beiden Vorstände der Glasbewahrer, Carl-August Heinz und Wolfgang Hammerschmidt, diese Dokumentation. Sie trage dazu bei, dass diese ehemals mörderische Grenze bei den Menschen, insbesondere bei den jungen Leuten, nicht in Vergessenheit gerät.

Gerd Fleischmann

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Der 90-jährige Willi Kaufmann (vorne im Bild) erläuterte beider Ausstellungseröffnung im Kleintettauer Flakon-Glasmuseum seine Grenzdokumente.

Sonderausstellung: Weihnachten wie zu Kaisers Zeiten

Von Gerd Fleischmann
Kleintettau – Die am 8.11.2012 eröffnete Sonderausstellung im Europäischen Flakonglasmuseum  unter dem vielversprechenden Motto „Weihnachten wie zu Kaisers Zeiten“ gleicht einer zauberhaften Reise in die Anfänge der Christbaumkugeln aus Glas, die einst ab 1848 im thüringischen Lauscha unter schwierigsten Bedingungen hergestellt wurden. Schon in den Anfängen bewiesen die Lauschaer eine bemerkenswerte Geschicklichkeit und Kreativität bezüglich von Farben und Formen. Alle Besucher zeigten sich bei der Auftaktveranstaltung in Kleintettau von den dekorativen Elementen des Baumschmucks seit gut 160 Jahren beeindruckt.
Der Inhaberin der Greiner-Mai GmbH „Der Christbaum“ mit Sitz in Neuhaus am Rennweg, Ines Zetzmann, ist es zu verdanken, dass nun bis voraussichtlich Februar nächsten Jahres außergewöhnliche Exponate – seien es die Glaskugeln, Christbäume oder aber die handwerklichen Gerätschaften aus uralter Zeit – bewundert werden können. Die Thüringerin (Jahrgang 1964) hat weder Zeit noch Geld gescheut, in den letzten 30 Jahren alles Wesentliche zu diesem Thema zu sammeln. Herausgekommen ist ein eindrucksvolles Ergebnis an historisch hochinteressanten Exponaten. Immerhin lasse sich der Stammbaum bis 1435 zurückverfolgen. Bereits in der sechsten Generation fertige man die gläsernen Kostbarkeiten zur Weihnachtszeit, verriet sie dem interessierten Publikum.
Ines Zetzmann: „Unser Ziel ist es, Weihnachten auch für unsere Kinder und Kindeskinder so zu erhalten, wie wir es aus unserer Kindheit sowie aus Geschichten und Erzählungen kennen. Es geschieht einmal im Jahr, dass wir uns in eine alte Tradition neu verlieben. Wenn am Heiligabend der Weihnachtsbaum endlich leuchtet, dann kehren sie zurück, die verloren geglaubten Gefühle aus unserer Kindheit.“ Das Ergebnis seien Staunen und  eine wohlige Geborgenheit. Und diese Gefühle übertrugen sich auch ganz spontan auf die Besucher bei der Ausstellungseröffnung mit etwa einhundert Interessenten. Ein idealer Gegenpol zum tristen Novemberwetter, so der allgemeine Tenor.
Überrascht nahm man zur Kenntnis, dass Kaiser Wilhelm I. maßgeblich am deutschen Christbaumwunder beteiligt war. Nach dem deutsch-französischem Krieg ließ er am 24. Dezember 1870 in Versailles einen geschmückten Christbaum aufstellen. Damit sei der patriotische Christbaumschmuck geboren worden, denn schließlich war dieser Baum in den Nationalfarben schwarz, weiß (silber) und rot geschmückt. Neben den üblichen Figuren hätten auch militärische Formen wie Trommeln oder Schiffe ihren Platz am Weihnachtsbaum eingenommen, verriet Ines Zetzmann.
Bürgermeister Hans Kaufmann, der sich kritisch zu Plastikkugeln und zu den Plastikbäumen äußerte, hob die Vorzüge der Glaskugeln hervor, die ganz einfach Gefühle vermitteln. Das Gemeindeoberhaupt würdigte den Einsatz von Ines Zetzmann und Willi Greiner-Mai für ihr museales Engagement. Der Vorsitzende des Glasbewahrervereins, Carl-August Heinz, geriet gar ins Schwärmen, als er von Kinderträumen und zeitlosen Klassikern sprach. Dabei erinnerte der Unternehmer auch an die bedeutende Rolle der englischen Königin Victoria (1819-1901), die eine leidenschaftliche Verehrerin des Christbaumschmucks aus Lauscha war. Das Zusammenspiel der Menschen links und rechts des Rennsteigs sei außerordentlich erfreulich, so  Carl-August Heinz abschließend.
Die wohlige und urgemütliche Atmosphäre im Ausstellungsbereich sorgte bei den Besuchern für Hochstimmung. Willi Greiner-Mai führte aus, dass mit Beginn der Lampenglasbläserei um 1760 eine regionale Spezialisierung in der Glasherstellung stattgefunden habe. Der Christbaumschmuckbläser Christian Günter Greiner-Mai, ein direkter Vorfahre seiner Familie, gelte als einer der Mitbegründer der Lauschaer Glaskunst. Er habe bereits 1830 kleine Glasfrüchte für die Schmuckherstellung angefertigt. Daraus sei nachweislich der weltbekannte Christbaumschmuck aus Lauscha im Jahre 1848 entstanden. Im Jahre 1995 sei man aus Platzgründen nach Neuhaus am Rennweg umgezogen.

Öffnungszeiten des Flakon-Glasmuseums: Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Jeden ersten Samstag im Monat finden von 12 bis 15 Uhr Halbautomaten-Vorführungen am Hafenofen statt. An Sonn- und Feiertagen nur für angemeldete Gruppen ab zehn Personen.

Der Vorsitzende der Glasbewahrer, Carl-August Heinz (links), hatte sich im Stil des 19. Jahrhunderts gekleidet. Ines Zetzmann und Willi Greiner-Mai erläuterten den sogenannten aristokratischen Christbaum aus der Kaiserzeit von 1870 bis 1918.
Fotos: Gerd Fleischmann

Museumsführerin Meltem Elkol schlüpfte in die Rolle einer Glasbläserin aus der Zeit um 1900. Am Arbeitstisch sind zu sehen Gasbrenner, Glasrohlinge, Formenzange, Keramikformen sowie geblasene Formkugeln.