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Studenten analysieren die Region

Von Hannah Seiß

Studenten analysieren die Region – Die Ergebnisse ihrer Arbeit münden in die Ausstellung „Made in Tettau“. Sie zeigt Defizite und Potenziale des Kreises auf. Zu sehen ist sie bis Mai im Glasmuseum.

Tettau – Der 2. Vorsitzende der Glasbewahrer am Rennsteig, Wolfgang Hammerschmidt, der amtierende Bürgermeister Peter Ebertsch und der ehemalige Bürgermeister Hans Kaufmann haben am Donnerstag die Ausstellung „Made in Tettau“ im Glasmuseum eröffnet.

Sie hat eine Analyse der Region zum Inhalt, die im Vorjahr von Studenten der „Nachhaltigen Entwicklung von Stadt und Land“ der Technischen Universität München durchgeführt wurde. Im Rahmen des Projekts recherchierten sie vor Ort, nahmen Kontakt zu Bewohnern der Tettauer Region auf und setzten sich intensiv mit dem Ort auseinander. Anhand der gesammelten Daten über Fähigkeiten, Strukturen und lokales Wissen arbeiteten sie die Defizite und Potenziale des Kreises heraus. Danach erstellten die Studenten Strategien für die weitere nachhaltige Entwicklung und Förderung. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Erschließung der Ressource Holz, dem Ausbau des Tourismus, den Baustrukturen sowie der Produktion von Porzellan und Glas.

 

Neutrale Untersuchung

„Die Studenten konnten als Außenstehende die Analyse ganz unvoreingenommen erstellen“, erklärte Kaufmann. Der Blick von Außen ermögliche eine präzise Einschätzung des Ortes und bringe neue Ideen auf. Eine realistische Einschätzung der Lage und ein guter Plan seien extrem wichtig, schloss sich Ebertsch an. Schließlich müsse man an den richtigen Stellen investieren, um die Region voranzubringen. Einen besonderen Stellenwert habe dabei der Ausbau der Verkehrsanbindung und die Schaffung von attraktivem Wohnraum.

„Aber wir Tettauer können stolz sein“, betonte Ebertsch. Die wichtigen Dinge seien schon vorangebracht worden und die Region sei auf einem guten Weg. Man müsse vor allem weiterhin daran arbeiten, ein Netzwerk zu erstellen, um neue Ideen zu finden und zu verwirklichen. Dank gelte den Glasbewahrern und dem Glasmuseum für die Bereitstellung der Räume für die Ausstellung. „Wir unterstützen das Projekt gerne“, so Hammerschmidt. Es sei wichtig, dass die Gemeinde aktiv ist, um eine Entwicklung voranzubringen. Noch bis Mitte Mai werden die Ergebnisse der Studie im Rahmen der Ausstellung „Made in Tettau“ auf 17 Infotafeln und anhand eines Ortsmodells von Tettau präsentiert. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Glasmuseums besichtigt werden.

 

 Ausstellung „Made in Tettau“ zeigt Chancen auf

Im Europäischen Flakon-Glasmuseum in Kleintettau ist bis Mai eine Sonderausstellung zu sehen. Bei „Made in Tettau“ handelt es sich um Entwicklungschancen einer Gemeinde aus wissenschaftlicher Sicht.

„Parfümflakons – eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert“ Eine Neukonzeption mit weihnachtlichem Flair!

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KLEINTETTAU – Die Dauer-Ausstellung „Parfümflakons – im Zeitraffer durch das 20. Jahrhun-dert“ mit bedeutenden Werken aus der renommierten Sammlung von Beatrice Frankl ist eines der vielen Highlights im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau. Weiterlesen…

Die Grenze um Tettau

Willi Kaufmann präsentiert im Europäischen Flakonglasmuseum die Ausstellung „Bewacher der Grenze“

In einer Sonderausstellung erinnern die „Glasbewahrer“ im Kleintettauer Flakonglasmuseum an ein unseliges Stück der deutsch-deutschen Geschichte. Bis voraussichtlich August präsentiert der Tettauer Willi Kaufmann seine bedrückende Dokumentation „Bewacher der Grenze“, die von Ute Schaller konzipiert wurde. Schließlich erlebte der Landkreis Kronach, nach 1945 von einem 102 Kilometer langen Stacheldrahtzaun regelrecht eingeschnürt, das  Nachkriegsdrama in besonderer Weise. Immer wieder war es zu schlimmen Szenen an der Demarkationslinie bei unterschiedlichsten Fluchtversuchen gekommen. Die gesamtdeutsche Bilanz ist

erschreckend. Viele hundert Menschen wurden entlang der 1400 Kilometer langen Grenze bei  Fluchtversuchen getötet. Die Grenzbefestigungen wurden durch die DDR im Laufe der Zeit immer weiter und effizienter ausgebaut. Minenfelder, Hundelauf-Anlagen, Schießbefehle und Selbstschussanlagen erschwerten ganz erheblich die Flucht in den Westen.

Jahrzehnte hatte der mittlerweile 90-jährige Willi Kaufmann die innerdeutsche Grenze direkt vor Augen. Seine Ausstellung, so der Initiator, solle mit dazu beitragen, dass die Zeit der Teilung Deutschlands nicht vergessen wird. Der Tettauer zeigt in seinen 150 Bildern

und Dokumenten sowie Zeitungen den Einsatz von Bayerischer Grenzpolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und amerikanischer Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1990. Er selbst stand nach dem Zweiten Weltkrieg zwölf Jahre als Grenzpolizist und später als Landpolizist an der Grenze bei Tettau, war dann 20 Jahre bei der Passkontrolle in Ludwigsstadt beschäftigt.

„Das war eine Schicksal trächtige Zeit, in der ich den ganzen Wahnsinn mit erlebt habe.“ Jede Menge Geschichten könne er erzählen – von Menschen und deren Schicksalen, die mit der Teilung Deutschlands verbunden sind. Waren die Anfangsjahre nach der Teilung des Landes in Grenznähe noch von eher menschlichen Geschichten geprägt, so änderte sich das mit Stacheldraht und Minenfeldern nach 1960 dramatisch. „Die Russen“, erinnerte sich Kaufmann, „waren noch Ende der 40er-Jahre regelmäßig auf den Wildberg bei Tettau zum Kegeln gekommen. Hier trafen sich auch die Menschen beider deutscher Staaten, wenn es am Freitag nach der Arbeit Lohn gab und gemeinsam gefeiert wurde.“ Fast 60 Leute aus der DDR hatten damals in Tettau und Umgebung gearbeitet und waren jeden Tag über die Grenze gekommen. Bei Tettau, sagte Kaufmann, habe es viele Flüchtlinge geben, weil hier die Gegend waldreich ist und die Grenze schwer einsehbar war.
Zwischen Heinersdorf und Probstzella waren am Eisernen Vorhang 17 Menschen bei Grenzübertritten erschossen worden. „Mit Skiern kamen die DDR-Leute oftmals bei Nacht

und kletterten über den Grenzzaun.“ Als Willi Kaufmann bei der Passkontrolle war, hatten die Beamten auch einmal vier Menschen auf einem Gepäckwagen, verpackt in Kartons, entdeckt.
Für die Ausstellung hat der Tettauer aussagestarkes Material  zusammengetragen. Die Fotos zeugen unter anderem von Sicherungsmaßnahmen an der deutsch-deutschen Grenze und von den Besuchen prominenter Politiker. Willi Kaufmann hofft, dass möglichst viele Menschen sich mit  dieser Thematik befassen.

Sparkassen-Repräsentant Peter Ebertsch – von 1978 bis 1991 beim Zoll – ist beim Anblick der Bilder besonders berührt, denn sie erinnern an den kaum mehr nachvollziehbaren Wahnsinn. „Das war manchmal wie ein Alptraum.“ Als eine tolle Sache empfinden die beiden Vorstände der Glasbewahrer, Carl-August Heinz und Wolfgang Hammerschmidt, diese Dokumentation. Sie trage dazu bei, dass diese ehemals mörderische Grenze bei den Menschen, insbesondere bei den jungen Leuten, nicht in Vergessenheit gerät.

Gerd Fleischmann

W_Kaufmann
Der 90-jährige Willi Kaufmann (vorne im Bild) erläuterte beider Ausstellungseröffnung im Kleintettauer Flakon-Glasmuseum seine Grenzdokumente.