Sonderausstellungen

Blitzsaubere Konsumideen auf Weltniveau

Das Gesicht der Kosmetik- und Marketingindustrie der DDR

13. Mai 2018 bis 28. April 2019

„Blitzsaubere Konsumideen auf Weltniveau“ versprach durchaus auch die Werbung in der Deutschen Demokratischen Republik! Gerne schmückte mancher Werbeslogan der 1950er und 60er Jahre den Zusatz „…auf Weltniveau“. Die damaligen Hersteller bewiesen damit zu Recht ihren Stolz, sich trotz Materialknappheit mit westlichen Produkten messen zu können.

Die Preview-Sonderausstellung gewährt einen kleinen Einblick aus der schier unglaublichen Anzahl von 66 Parfum- und Kosmetikherstellern, die in der Sammlung Monika Jürgens-Winefeld vertreten sind. Getreu dem Motto des zur Eröffnung gewählten Internationalen Museumstages, sucht diese Sonderausstellung neue Wege in der Aufarbeitung der innerdeutschen Spaltung nach dem Zweiten Weltkrieg und vermittelt zwischen Ost und West. Im Fokus lässt sich Gemeinsames und doch Befremdliches aus dem Bereich des sozialistischen Produkt- und Marketingdesigns der DDR entdecken. In einer kleinen aber feinen Auswahl präsentieren wir Ihnen Glanzlichter des Alltagskonsums, vom Kassenschlager bis hin zur „Bückware“. Einst brachten sie sehnsüchtige Augen in kleinen Drogerien oder den Warenkaufhäusern von „Konsum“, „HO“ und „Exquisit“ zum Funkeln. Allen Vorurteilen zum Trotz ersteht vor uns die ostdeutsche Werbewelt der 1950er und 60er Jahre, mit Witz und Charme, bunt und einfallsreich.

Die Preview-Sonderausstellung ist der in Vorbereitung befindlichen Dauerausstellung zur Parfümerie- und Kosmetikkultur der DDR vorangestellt, die im Jahr 2019 eröffnet wird. Beide Ausstellungen stehen im Zusammenhang mit unserem Forschungsprojekt zur „Parfümerie- und Kosmetikkultur der DDR“.

Frau Monika Jürgens-Winefeld (rechts) blickt mit Stolz auf die Präsentation ihrer vielseitigen Ausstellungsstücke, die sie sich von der Museumsmitarbeiterin Jana Lisa Buhrow (links) und dem 2. Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins der Glasbewahrer am Rennsteig e.V., Herrn Wolfgang Hammerschmidt (rechts), näher bringen lässt.

Fotonachweise
Sandro Welsch; Gerhard Fleischmann

Eröffnung
Anlässlich des Internationalen Museumstages am 13. Mai 2018

Ausstellungskonzeption und -gestaltung
Ute Schaller, Jana Lisa Buhrow, Sandro Welsch

Kuratorium/ Wissenschaftliche Erarbeitung
Monika Jürgens-Winefeld, Jana Lisa Buhrow, Sandro Welsch

Ausstellungsassistenz und -technik
Sabine Thalmeyer, Isabella Heinz, Cassandra Mund, Chrsitian Foertsch, Kai Haussner, Enrico Hoppe, Friedrich Treuner, Jens Michaelis

Konservierung/ Restaurierung
Sandro Welsch

Gefördert durch
Medienfabrik Trebes/ Steinbach am Wald
Carl-August Heinz Stiftung/ Kleintettau
Glasbewahrer am Rennsteig e.V./ Kleintettau

Mit freundlicher Unterstützung
der Heinz-Glas GmbH & Co. KGaA

Medienpartner
Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv
VHS Kronach/ Kronach

Pressemeldungen
Neue Presse Coburg

Dem Dunkel entwachsen, dem Lichte zum Spiele

Der Wald als Ursprung des thüringisch-fränkischen Glases

17.Mai 2015 bis 27.September 2015 – VERLÄNGERT bis 22. Mai 2016

Wein-Römer; niederländisch oder deutsch, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Der Wald – dunkel und geheimnisumwittert. Für Menschen seit jeher ein Ort der Angst, Gefahr, aber auch des Spiritualismus und Lebens. Wie kaum eine andere Region, lebt die thüringisch-fränkische Region mit und durch seine waldreichen Gebiete. Als Überlebensraum bot der Wald in der Vergangenheit den ansässigen Menschen Arbeit und somit eine Existenzgrundlage, deren Nachwirkungen auch heute noch zu spüren sind – gerade im Bereich des Glases.

Mit seiner neuen Sonderausstellung reflektiert das Europäische Flakonglasmuseum die Entwicklungen, welche zur Entstehung der regionalen Glasindustrie aus ökonomischer und ökologischer Sicht beitrugen. Die Ausbildung des Waldglases, das bereits durch seine Namensgebung eng mit dem Lebensraum Wald verbunden ist, bildet hierbei einen markanten Schwerpunkt. Dieses grünfarbene Glas zierte bis in das 19. Jahrhundert hinein fürstliche Tafeln, galt es doch in Anerkennung seiner meisterhaften Ausführung als Luxusgut. Ungeachtet der Kunstfertigkeit der Glasmacher, schufen die mit dem Wald eng verbundenen Berufe des Holzfällers, Köhlers und Pottaschensieders eine verkettete Basis, welche die Glasherstellung erst erlaubte. Wie reichhaltig und wirtschaftlich strukturiert die vorindustrielle Glasproduktion in der thüringisch-fränkischen Region war, belegen schließlich archäologische Ausgrabungen von Kohlenmeilern und Waldglashütten, bis hin zu fragmentarischen, aber dennoch aufschlussreichen Bodenfunden, die nicht nur aus Glas bestehen. Die Ausstellung präsentiert mit gut 95% hochrangige Leihobjekte anderer Museen, Vereine und Privatpersonen, die einen Querschnitt in der Entwicklung höfischer Prachtentfaltung, bis hin zu alltäglichen Gebrauchsgütern und Werkzeugen der Handwerker bieten. Ein lehrreicher Film veranschaulicht im einzelnen den Aufbau eines Kohlenmeilers, dessen Wirkungsweise und die abschließende „Ernte“ der Holzkohle sowie deren Zusammenhang mit dem Werkstoff Glas.

In Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten wurde in einem Waldstück, in der Nähe des Museums, ein historischer Köhlerpfad mit drei nachgewiesenen Kohlenmeilerstellen erschlossen, die im Zuge der Sonderausstellung selbstständig vom Museumsbesucher in Augenschein genommen werden können.

Gehen Sie mit uns auf Spurensuche und bringen Licht in das Dunkel, um die Geheimnisse des Waldes zu entschlüsseln!

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Fotonachweise
Dr. Ratomir Radomirowic/ Sandro Welsch:
Wein-Römer; niederländisch oder deutsch, 1. Hälfte 18. Jahrhundert; Ankauf 2015
Gerhard Fleischmann:
Diplom-Restaurator Sandro Welsch (links) informierte über die Ausstellungskonzeption. Mit im Bild (von rechts) Kurt Jacob, Gerhard Walther, Wolfgang Hammerschmidt (2. Vorsitzender der Glasbewahrer) sowie Angela Wiegand.

Eröffnung
Anlässlich des Internationalen Museumstages am 17. Mai 2015

Ausstellungsgestaltung
Ute Schaller, Sandro Welsch

Kuratorium/ Wissenschaftliche Erarbeitung
Jana Lisa Buhrow, Ute Schaller, Sandro Welsch, Gerhard Walther, Thomas Schwämmlein, Kurt Jacob

Ausstellungstechnik
Jan Wiedemann, Frank Stärker, Enrico Hoppe, Friedrich Treuner, Jens Michaelis

Konservierung/ Restaurierung
Sandro Welsch

Philatelie
Zur Ausstellung erscheint in geringer Auflage eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post AG. Die Briefmarke kann lediglich über das Europäische Flakonglasmuseum bezogen werden. HINWEIS: Es sind nur noch wenige Exemplare verfügbar! Nutzen Sie bitte für Anfragen folgende E-Mail-Anschrift museum@glasbewahrer.de
HINWEIS: Es sind nur noch wenige Exemplare verfügbar!

Audiotour
Eine Audiotour durch die Sonderausstellung wird dieses Mal nicht angeboten.

Leihgeber
Kunstsammlungen der Veste Coburg/ Coburg
www.kunstsammlungen-coburg.de
Museum für Glaskunst Lauscha/ Lauscha
www.glasmuseum-lauscha.de
Duftmuseum im Farina-Haus/ Köln
www.farina.org/duftmuseum
Alte Schäferei, Gerätemuseum des Coburger Landes/ Ahorn
www.geraetemuseum-ahorn.de
Geschichts- und Köhlerverein Mengersgereuth-Hämmern/ Mengersgereuth-Hämmern Private Leihgeber

Gefördert durch
Heinz-Glas GmbH & Co. KGaA/ Kleintettau
www.heinz-glas.com/de
Carl-August Heinz Stiftung/ Kleintettau
Glasbewahrer am Rennsteig e.V./ Kleintettau
www.glasbewahrer.de
Förderkreis des Museums für Glaskunst Lauscha e.V./ Lauscha
www.glas-in-lauscha.de

Mit Unterstützung von
Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten/ Rothenkirchen; Thomas Schwämmlein/ Kreisheimatpfleger des Landkreises Sonneberg; Geschichts- und Köhlerverein Mengersgereuth-Hämmern/ Mengersgereuth-Hämmern; Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach/ Kulmbach; Dr. Stefan Zimmermann/ Wiesbaden

Medienpartner
Filmstudio Sirius/ Meura
www.filmstudio-sirius.de
VHS Kronach/ Kronach
www.vhs-kronach.de/beruf/edv-für-kinder/dem-dunkel-entwachsen,-dem-lichte-zum-spiele-YTE304/

Pressemeldungen
Fränkischer Tag
www.infranken.de/regional/kronach/Spannende-Einblicke-in-die-Geschichte;art219,1054977

 

Die Wiederentdeckung vergessener Pflegekultur

Der Sammlungsbestand des Europäischen Flakonglasmuseums und seine wissenschaftliche Aufarbeitung und Erweiterung

18. Mai 2014 bis 30. September 2014 – VERLÄNGERT bis 26. April 2015

Die neue Sonderausstellung des Europäischen Flakonglasmuseums wirft einen Blick hinter die Kulissen der Museumsarbeit und beleuchtet dabei die verschiedenen Aspekte des Sammelns. Eröffnet am Internationalem Museumstag, folgt sie dem diesjährigen Motto “Sammeln verbindet – Museum Collections make Connections”.

Beginnend mit der Frage wie, warum und was das Europäische Flakonglasmuseum sammelt, erfährt der Besucher in verschiedenen Ausstellungseinheiten, welche Arbeitsabläufe notwendig sind für die wissenschaftliche, dokumentarische Aufarbeitung und Inventarisation der Sammlungsbestände. Dabei werden Einblicke in museumstypische Berufsbilder wie das des Kunsthistorikers oder Restaurators gegeben.

Gezeigt werden Ankäufe, Stiftungen und Schenkungen, die seit 2008 den Sammlungsbestand des Museums bereichert haben, aber in den Ausstellungen bisher noch nicht gezeigt wurden. Die verschiedenen Aspekte des Sammelns nach lokalhistorischen, ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten wie z. B. nach Größen, Limitierungen und Verpackungsdesign werden veranschaulicht. Die Geschichte der Odolflasche in Ost- und Westdeutschland, die Pflegeutensilien eines Reisenden um 1900 oder filigrane Flakonkreationen aus den 1930er Jahren aus Lauscha inklusive eines zeitgenössischen Produktkatalogs sind Beispiele für die Vielfalt an Sammler-Themen. Tauchen Sie ein in die Welt des Sammelns und nehmen die Neuerwerbungen des Europäischen Flakonglasmuseums in Augenschein!

Kinder können erstmalig anhand eines Kinder-Audioguides eigenständig verschiedene Ausstellungsbereiche erkunden und lernen einiges über das Sammeln und die Arbeit in einem Museum. Mit dem Glasmacher-Heinzelmännchen gehen sie auf eine spannende Entdeckungsreise.

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Studenten analysieren die Region

Von Hannah Seiß

Studenten analysieren die Region – Die Ergebnisse ihrer Arbeit münden in die Ausstellung „Made in Tettau“. Sie zeigt Defizite und Potenziale des Kreises auf. Zu sehen ist sie bis Mai im Glasmuseum.

Tettau – Der 2. Vorsitzende der Glasbewahrer am Rennsteig, Wolfgang Hammerschmidt, der amtierende Bürgermeister Peter Ebertsch und der ehemalige Bürgermeister Hans Kaufmann haben am Donnerstag die Ausstellung „Made in Tettau“ im Glasmuseum eröffnet.

Sie hat eine Analyse der Region zum Inhalt, die im Vorjahr von Studenten der „Nachhaltigen Entwicklung von Stadt und Land“ der Technischen Universität München durchgeführt wurde. Im Rahmen des Projekts recherchierten sie vor Ort, nahmen Kontakt zu Bewohnern der Tettauer Region auf und setzten sich intensiv mit dem Ort auseinander. Anhand der gesammelten Daten über Fähigkeiten, Strukturen und lokales Wissen arbeiteten sie die Defizite und Potenziale des Kreises heraus. Danach erstellten die Studenten Strategien für die weitere nachhaltige Entwicklung und Förderung. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Erschließung der Ressource Holz, dem Ausbau des Tourismus, den Baustrukturen sowie der Produktion von Porzellan und Glas.

 

Neutrale Untersuchung

„Die Studenten konnten als Außenstehende die Analyse ganz unvoreingenommen erstellen“, erklärte Kaufmann. Der Blick von Außen ermögliche eine präzise Einschätzung des Ortes und bringe neue Ideen auf. Eine realistische Einschätzung der Lage und ein guter Plan seien extrem wichtig, schloss sich Ebertsch an. Schließlich müsse man an den richtigen Stellen investieren, um die Region voranzubringen. Einen besonderen Stellenwert habe dabei der Ausbau der Verkehrsanbindung und die Schaffung von attraktivem Wohnraum.

„Aber wir Tettauer können stolz sein“, betonte Ebertsch. Die wichtigen Dinge seien schon vorangebracht worden und die Region sei auf einem guten Weg. Man müsse vor allem weiterhin daran arbeiten, ein Netzwerk zu erstellen, um neue Ideen zu finden und zu verwirklichen. Dank gelte den Glasbewahrern und dem Glasmuseum für die Bereitstellung der Räume für die Ausstellung. „Wir unterstützen das Projekt gerne“, so Hammerschmidt. Es sei wichtig, dass die Gemeinde aktiv ist, um eine Entwicklung voranzubringen. Noch bis Mitte Mai werden die Ergebnisse der Studie im Rahmen der Ausstellung „Made in Tettau“ auf 17 Infotafeln und anhand eines Ortsmodells von Tettau präsentiert. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Glasmuseums besichtigt werden.

 

 Ausstellung „Made in Tettau“ zeigt Chancen auf

Im Europäischen Flakon-Glasmuseum in Kleintettau ist bis Mai eine Sonderausstellung zu sehen. Bei „Made in Tettau“ handelt es sich um Entwicklungschancen einer Gemeinde aus wissenschaftlicher Sicht.

„Parfümflakons – eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert“ Eine Neukonzeption mit weihnachtlichem Flair!

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KLEINTETTAU – Die Dauer-Ausstellung „Parfümflakons – im Zeitraffer durch das 20. Jahrhun-dert“ mit bedeutenden Werken aus der renommierten Sammlung von Beatrice Frankl ist eines der vielen Highlights im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau. Weiterlesen…

Die Grenze um Tettau

Willi Kaufmann präsentiert im Europäischen Flakonglasmuseum die Ausstellung „Bewacher der Grenze“

In einer Sonderausstellung erinnern die „Glasbewahrer“ im Kleintettauer Flakonglasmuseum an ein unseliges Stück der deutsch-deutschen Geschichte. Bis voraussichtlich August präsentiert der Tettauer Willi Kaufmann seine bedrückende Dokumentation „Bewacher der Grenze“, die von Ute Schaller konzipiert wurde. Schließlich erlebte der Landkreis Kronach, nach 1945 von einem 102 Kilometer langen Stacheldrahtzaun regelrecht eingeschnürt, das  Nachkriegsdrama in besonderer Weise. Immer wieder war es zu schlimmen Szenen an der Demarkationslinie bei unterschiedlichsten Fluchtversuchen gekommen. Die gesamtdeutsche Bilanz ist

erschreckend. Viele hundert Menschen wurden entlang der 1400 Kilometer langen Grenze bei  Fluchtversuchen getötet. Die Grenzbefestigungen wurden durch die DDR im Laufe der Zeit immer weiter und effizienter ausgebaut. Minenfelder, Hundelauf-Anlagen, Schießbefehle und Selbstschussanlagen erschwerten ganz erheblich die Flucht in den Westen.

Jahrzehnte hatte der mittlerweile 90-jährige Willi Kaufmann die innerdeutsche Grenze direkt vor Augen. Seine Ausstellung, so der Initiator, solle mit dazu beitragen, dass die Zeit der Teilung Deutschlands nicht vergessen wird. Der Tettauer zeigt in seinen 150 Bildern

und Dokumenten sowie Zeitungen den Einsatz von Bayerischer Grenzpolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und amerikanischer Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1990. Er selbst stand nach dem Zweiten Weltkrieg zwölf Jahre als Grenzpolizist und später als Landpolizist an der Grenze bei Tettau, war dann 20 Jahre bei der Passkontrolle in Ludwigsstadt beschäftigt.

„Das war eine Schicksal trächtige Zeit, in der ich den ganzen Wahnsinn mit erlebt habe.“ Jede Menge Geschichten könne er erzählen – von Menschen und deren Schicksalen, die mit der Teilung Deutschlands verbunden sind. Waren die Anfangsjahre nach der Teilung des Landes in Grenznähe noch von eher menschlichen Geschichten geprägt, so änderte sich das mit Stacheldraht und Minenfeldern nach 1960 dramatisch. „Die Russen“, erinnerte sich Kaufmann, „waren noch Ende der 40er-Jahre regelmäßig auf den Wildberg bei Tettau zum Kegeln gekommen. Hier trafen sich auch die Menschen beider deutscher Staaten, wenn es am Freitag nach der Arbeit Lohn gab und gemeinsam gefeiert wurde.“ Fast 60 Leute aus der DDR hatten damals in Tettau und Umgebung gearbeitet und waren jeden Tag über die Grenze gekommen. Bei Tettau, sagte Kaufmann, habe es viele Flüchtlinge geben, weil hier die Gegend waldreich ist und die Grenze schwer einsehbar war.
Zwischen Heinersdorf und Probstzella waren am Eisernen Vorhang 17 Menschen bei Grenzübertritten erschossen worden. „Mit Skiern kamen die DDR-Leute oftmals bei Nacht

und kletterten über den Grenzzaun.“ Als Willi Kaufmann bei der Passkontrolle war, hatten die Beamten auch einmal vier Menschen auf einem Gepäckwagen, verpackt in Kartons, entdeckt.
Für die Ausstellung hat der Tettauer aussagestarkes Material  zusammengetragen. Die Fotos zeugen unter anderem von Sicherungsmaßnahmen an der deutsch-deutschen Grenze und von den Besuchen prominenter Politiker. Willi Kaufmann hofft, dass möglichst viele Menschen sich mit  dieser Thematik befassen.

Sparkassen-Repräsentant Peter Ebertsch – von 1978 bis 1991 beim Zoll – ist beim Anblick der Bilder besonders berührt, denn sie erinnern an den kaum mehr nachvollziehbaren Wahnsinn. „Das war manchmal wie ein Alptraum.“ Als eine tolle Sache empfinden die beiden Vorstände der Glasbewahrer, Carl-August Heinz und Wolfgang Hammerschmidt, diese Dokumentation. Sie trage dazu bei, dass diese ehemals mörderische Grenze bei den Menschen, insbesondere bei den jungen Leuten, nicht in Vergessenheit gerät.

Gerd Fleischmann

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Der 90-jährige Willi Kaufmann (vorne im Bild) erläuterte beider Ausstellungseröffnung im Kleintettauer Flakon-Glasmuseum seine Grenzdokumente.

Sonderausstellung: Weihnachten wie zu Kaisers Zeiten

Von Gerd Fleischmann
Kleintettau – Die am 8.11.2012 eröffnete Sonderausstellung im Europäischen Flakonglasmuseum  unter dem vielversprechenden Motto „Weihnachten wie zu Kaisers Zeiten“ gleicht einer zauberhaften Reise in die Anfänge der Christbaumkugeln aus Glas, die einst ab 1848 im thüringischen Lauscha unter schwierigsten Bedingungen hergestellt wurden. Schon in den Anfängen bewiesen die Lauschaer eine bemerkenswerte Geschicklichkeit und Kreativität bezüglich von Farben und Formen. Alle Besucher zeigten sich bei der Auftaktveranstaltung in Kleintettau von den dekorativen Elementen des Baumschmucks seit gut 160 Jahren beeindruckt.
Der Inhaberin der Greiner-Mai GmbH „Der Christbaum“ mit Sitz in Neuhaus am Rennweg, Ines Zetzmann, ist es zu verdanken, dass nun bis voraussichtlich Februar nächsten Jahres außergewöhnliche Exponate – seien es die Glaskugeln, Christbäume oder aber die handwerklichen Gerätschaften aus uralter Zeit – bewundert werden können. Die Thüringerin (Jahrgang 1964) hat weder Zeit noch Geld gescheut, in den letzten 30 Jahren alles Wesentliche zu diesem Thema zu sammeln. Herausgekommen ist ein eindrucksvolles Ergebnis an historisch hochinteressanten Exponaten. Immerhin lasse sich der Stammbaum bis 1435 zurückverfolgen. Bereits in der sechsten Generation fertige man die gläsernen Kostbarkeiten zur Weihnachtszeit, verriet sie dem interessierten Publikum.
Ines Zetzmann: „Unser Ziel ist es, Weihnachten auch für unsere Kinder und Kindeskinder so zu erhalten, wie wir es aus unserer Kindheit sowie aus Geschichten und Erzählungen kennen. Es geschieht einmal im Jahr, dass wir uns in eine alte Tradition neu verlieben. Wenn am Heiligabend der Weihnachtsbaum endlich leuchtet, dann kehren sie zurück, die verloren geglaubten Gefühle aus unserer Kindheit.“ Das Ergebnis seien Staunen und  eine wohlige Geborgenheit. Und diese Gefühle übertrugen sich auch ganz spontan auf die Besucher bei der Ausstellungseröffnung mit etwa einhundert Interessenten. Ein idealer Gegenpol zum tristen Novemberwetter, so der allgemeine Tenor.
Überrascht nahm man zur Kenntnis, dass Kaiser Wilhelm I. maßgeblich am deutschen Christbaumwunder beteiligt war. Nach dem deutsch-französischem Krieg ließ er am 24. Dezember 1870 in Versailles einen geschmückten Christbaum aufstellen. Damit sei der patriotische Christbaumschmuck geboren worden, denn schließlich war dieser Baum in den Nationalfarben schwarz, weiß (silber) und rot geschmückt. Neben den üblichen Figuren hätten auch militärische Formen wie Trommeln oder Schiffe ihren Platz am Weihnachtsbaum eingenommen, verriet Ines Zetzmann.
Bürgermeister Hans Kaufmann, der sich kritisch zu Plastikkugeln und zu den Plastikbäumen äußerte, hob die Vorzüge der Glaskugeln hervor, die ganz einfach Gefühle vermitteln. Das Gemeindeoberhaupt würdigte den Einsatz von Ines Zetzmann und Willi Greiner-Mai für ihr museales Engagement. Der Vorsitzende des Glasbewahrervereins, Carl-August Heinz, geriet gar ins Schwärmen, als er von Kinderträumen und zeitlosen Klassikern sprach. Dabei erinnerte der Unternehmer auch an die bedeutende Rolle der englischen Königin Victoria (1819-1901), die eine leidenschaftliche Verehrerin des Christbaumschmucks aus Lauscha war. Das Zusammenspiel der Menschen links und rechts des Rennsteigs sei außerordentlich erfreulich, so  Carl-August Heinz abschließend.
Die wohlige und urgemütliche Atmosphäre im Ausstellungsbereich sorgte bei den Besuchern für Hochstimmung. Willi Greiner-Mai führte aus, dass mit Beginn der Lampenglasbläserei um 1760 eine regionale Spezialisierung in der Glasherstellung stattgefunden habe. Der Christbaumschmuckbläser Christian Günter Greiner-Mai, ein direkter Vorfahre seiner Familie, gelte als einer der Mitbegründer der Lauschaer Glaskunst. Er habe bereits 1830 kleine Glasfrüchte für die Schmuckherstellung angefertigt. Daraus sei nachweislich der weltbekannte Christbaumschmuck aus Lauscha im Jahre 1848 entstanden. Im Jahre 1995 sei man aus Platzgründen nach Neuhaus am Rennweg umgezogen.

Öffnungszeiten des Flakon-Glasmuseums: Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Jeden ersten Samstag im Monat finden von 12 bis 15 Uhr Halbautomaten-Vorführungen am Hafenofen statt. An Sonn- und Feiertagen nur für angemeldete Gruppen ab zehn Personen.

Der Vorsitzende der Glasbewahrer, Carl-August Heinz (links), hatte sich im Stil des 19. Jahrhunderts gekleidet. Ines Zetzmann und Willi Greiner-Mai erläuterten den sogenannten aristokratischen Christbaum aus der Kaiserzeit von 1870 bis 1918.
Fotos: Gerd Fleischmann

Museumsführerin Meltem Elkol schlüpfte in die Rolle einer Glasbläserin aus der Zeit um 1900. Am Arbeitstisch sind zu sehen Gasbrenner, Glasrohlinge, Formenzange, Keramikformen sowie geblasene Formkugeln.

Drei Glashütten präsentieren sich in einer Sonderausstellung

Glas vom Rennsteig mit Heinz-Glas, Gerresheimer Glas und Wiegand-Glas
Von Gerd Fleischmann

Kleintettau – Eine außergewöhnliche Sonderausstellung präsentiert der Glasbewahrerverein am Rennsteig seit gestrigen Freitag: Heinz-Glas, Gerresheimer Glas und Wiegand-Glas stellen einen Teil ihrer Produkte sowie ihre Geschichte in Kurzform der Öffentlichkeit vor. Die drei Glasriesen, die immerhin 1700 Arbeitsplätze im Landkreisnorden stellen und sich vor allem in den Nachkriegsjahren durch stete Innovation und Expansion international einen Namen gemacht haben, zeigen mit dieser Dokumentation im täglichen Kampf ums Überleben gemeinsam Flagge. Weiterlesen…

Sonderausstellung ERDE

Glas trägt Franken um die Welt

Das Europäische Flakonglasmuseum in Kleintettau zeigt eine neue Ausstellung. Die Schau belegt anhand von Exponaten die weltweite Verbreitung fränkischer Handwerkskunst.

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Sonderausstellung: Faszination Glas und Gold am Rennsteig

Im Europäischen Flakon-Glasmuseum in Kleintettau ist ab Samstag, 11. Dezember 2010, die Schau „Glas & Gold“ zu sehen. Die Präsentation erfolgt durch die Gold- und Silberschmiedemeisterin Linda Klostermann aus Tettau.
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